„Du bist ja wirklich wunderschön“, sagte einschmeichelnd eine Gans zu ihrer Freundin, „aber ich glaube, an meine Schönheit wirst du wohl nie heran kommen!“ Dabei drehte sie ihren schlanken Hals, um ihr schimmerndes Gefieder noch besser zur Geltung zu bringen.
Neidvoll schaute die Erste drein und überlegte, wie sie ihre Freundin übertrumpfen könnte. „Aber ich habe ein Häubchen auf dem Kopf und nach mir drehen sich die meisten Gänseriche um“, erwiderte sie stolz. Und so prahlten und prahlten sie.
Sie waren so mit sich beschäftigt, dass sie den jungen Truthahn kaum bemerkten, der traurig daher watschelte. Die eine Gans kicherte: „Sieh mal, den hässlichen Vogel dort drüben.“
Höhnisch rief sie ihm zu: „He du, was ist dir über die Leber gelaufen?“ „Ach ich bin so traurig, meine Freundin ist weg, ich kann sie nirgends finden“, erwiderte er. „Hochmütig fragten die zwei eingebildeten Gänse: „Wie sieht sie denn aus, deine Freundin? Ist sie auch so schön wie wir?“ „Entschuldigt bitte, ich will euch ja nicht zu nahe treten, aber sie ist viel, viel schöner als ihr!“
Die Gänse wurden blass. „Was, hier auf diesem Hof soll es jemand geben, der schöner ist als wir? Das glauben wir nicht“, schnatterten sie los. Doch weil sie neugierig waren, wollten sie ihm suchen helfen. Alle drei machten sich auf die Suche nach der, angeblich so schönen Freundin. Endlich hörten sie in einer versteckten Ecke des Hofes ein leises Krächzen.
„Dort ist sie ja“, rief der Truthahn aufgeregt und lief los. Die Truthenne hatte sich einen Flügel am Zaun eingeklemmt und konnte sich allein nicht befreien. Den beiden Gänsen blieb der Schnabel offen stehen. „Was, die Pute soll schöner sein als wir? Das ich nicht schnattere“, sagte eine hochnäsig. Der Truthahn nahm seine geliebte Henne in den Arm und sagte glücklich: „Für mich ist sie die Schönste auf der Welt, aber davon versteht ihr eingebildeten Gänse wohl nichts!“
Bei den Worten waren die beiden Freundinnen etwas nachdenklich geworden und hielten von dem Tag an, den Kopf nicht mehr ganz so hoch.
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